Frau von Kyaw, Herr Jacob, Employee Experience und Moments that matter – diese Begrifflichkeiten hört man in letzter Zeit immer häufiger. Handelt es sich hierbei um neue Buzzwords oder steckt mehr dahinter?

Felicitas von Kyaw : Da steckt definitiv mehr dahinter. Ich erlebe, dass viele Personaler vor ähnlichen Herausforderungen stehen: Neu entwickelte Personalinstrumente werden von Mitarbeitern trotz hohem Entwicklungs- und Einführungsaufwand nicht gut angenommen. Sicher lassen sich altbewährte Prozesse nicht immer so schnell transformieren, wie es nötig wäre. Die zentrale Herausforderung dabei ist, dass die Perspektive der Mitarbeitenden die Rolle spielt, die wir ihr gerne geben möchten.

Leon Jacob: Und genau darum dreht sich der Begriff der Employee Experience: Sie ist ein hilfreiches Werkzeug dafür, sich im Unternehmen von einer reinen Prozessorientierung zu verabschieden und den Weg zur Kundenorientierung einzuschlagen. Employee Experience steht für eine veränderte Grundhaltung in HR: Mitarbeiter sind interne Kunden und die Personalarbeit wird so gestaltet, dass Mitarbeiter ein positives Erlebnis haben.

Und was hat der Arbeitgeber davon? Kaum ein Unternehmen wird alleine zum Wohle der Mitarbeiter in Employee Experience investieren, oder?

Felicitas von Kyaw: Ganz einfach: Die Mitarbeiter werden Fans ihres Arbeitgebers. Lassen Sie mich ein Beispiel geben: Ein gutes Produkt alleine reicht heute nicht mehr aus, um Kunden langfristig zu begeistern. Vielmehr geht es in der Produktentwicklung und im Marketing heutzutage darum Kunden ein Erlebnis zu bieten – sie emotional mitzureißen! Durch eine positive Emotion mit dem Anbieter bzw. dem Produkt, können loyale Kunden entwickelt werden. Und genau dieser Ansatz lässt sich in der Personalarbeit anwenden, auch hier mit dem Ziel, dass der Mitarbeiter dem Unternehmen lange treu bleibt.

Leon Jacob: Und mehr noch: Wenn Unternehmen eine positive Employee Experience gestalten und Mitarbeiter glücklicher in ihrem Unternehmen sind, führt das wiederrum zu mehr Leistung fürs Unternehmen. Sichtbar wird das zum Beispiel in niedrigeren Kündigungsraten, in einem geringeren Krankenstand oder in mehr Leistungsbereitschaft.

Angenommen, ich möchte als Organisation an meiner Employee Experience arbeiten. Wo fange ich an?

Felicitas von Kyaw: Wer die Erlebnisse seiner Mitarbeiter am Arbeitsplatz verbessern und gleichzeitig schnelle Ergebnisse erzielen möchte, kommt um Employee Experience Design – oder kurz: EX Design – nicht herum. Beim EX Design werden Design-Thinking-Methoden, wie die Erstellung von Personas, Journey Maps oder System Maps eingesetzt. Diese agilen Methoden helfen Unternehmen die Moments that matter von ihren Mitarbeitern zu identifizieren, also alles was sie im Arbeitskontext besonders bewegt und beschäftigt.

Leon Jacob: Wichtig ist aber auch, nicht einfach nur zu wissen, was EX Design ist und was es leisten kann. Auch bei der Anwendung ist auf die besonderen Aspekte zu achten: Zum einen sollten die richtigen Fragen gestellt werden, um die Informationen zu erhalten, die man sich tatsächlich wünscht. Hierbei ist es essenziell, sich davon zu lösen, unbedingt alles Wissen der Welt aneignen und jegliche Informationsquelle ausschöpfen zu müssen. Zum anderen sollen beim EX Design in kurzer Zeit Prototypen entwickelt und dann auch so schnell wie möglich in der Praxis getestet werden.

Ist EX Design nur ein Tool für Personaler oder wer kann es noch anwenden?

Leon Jacob: EX Design ist für jeden Interessant, der ein Interesse daran hat eine positive Employee Experience zu schaffen. Das können Personaler sein, aber es können auch Geschäftsführer, Führungskräfte, Projektmanager und andere Funktionen sein. Wer seine Organisation dahingehend entwickeln möchte, dass Mitarbeiter Fans vom Unternehmen werden, hat mit EX Design das perfekte Werkzeug zur Hand.

2018 führte der Bundesverband für Personalmanager BPM in Kooperation mit hkp/// group die erste Employee Experience Design Challenge durch. Was waren die Top-Themen, die Sie hier bearbeitet haben?

Felicitas von Kyaw: Bei unserem ersten Event dieser Art haben wir die Teilnehmer gefragt, was die wichtigsten Anliegen ihrer Mitarbeiter sind. Alles was hier an Input kam, haben wir geclustert und darauf basierend schnell drei besonders wichtige Themen identifizieren können: die berufliche Weiterentwicklung, Anerkennung im Arbeitsalltag und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Leon Jacob: Zu allen drei Themenfeldern haben wir im Rahmen des Events einen EX Design Zyklus durchlaufen und dabei spannende Lösungen erarbeitet. Es hat sich aber auch gezeigt, dass die Anknüpfungspunkte für Employee Experience fast überall im Mitarbeiterlebenszyklus bestehen. Angefangen beim Recruiting bis hin zum Austritt des Mitarbeiters.

Gibt es in nächster Zeit die Möglichkeit, mit praktischem Input ins EX Design einzusteigen? Wo kann ich mehr über die Thematik erfahren?

Leon Jacob: Wer noch intensiver in die Thematik eintauchen möchte, kann an einem dreitätigen EX-Design Bootcamp vom 14. bis 16. Oktober in Frankfurt am Main teilnehmen. Hier schauen wir mit den Teilnehmern auf die richtige Haltung, vermitteln die wichtigsten Methoden und helfen dabei, die größte Herausforderung in ihrer eigenen Organisation mit dem EX Design Ansatz anzugehen!

Frau von Kyaw, Herr Jacob, herzlichen Dank für das Gespräch!

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