Vergütung ist ein zentrales Element der Unternehmenssteuerung und Erfolgsfaktor für die Erreichung von Unternehmenszielen. Ihre Ausgestaltung stellt einen zentralen Aspekt erfolgreicher Personalarbeit dar. Jedoch existiert kaum großflächige Evidenz zu Vergütungsstrategien und deren Effektivität. Dieses Defizit adressiert eine Online-Befragung der University of California, Berkeley, mit dem ifo Institut und Unterstützung der hkp/// group. Zu Hintergründen und Kernelementen der Umfrage, sprach hkp.com mit der Arbeitsmarktökonomin und Studienleiterin Ingrid Hägele sowie Petra Knab-Hägele, Senior Partnerin der hkp/// group und Expertin für Strategie und Design von Vergütung.

Frau Hägele, gerade starten Sie eine großflächige wissenschaftlich fundierte Befragung zu aktuellen Vergütungsstrategien in Deutschland. Was sind Ihre Ziele?

Ingrid Hägele: Ziel ist es, erstmals deutschlandweite Kennzahlen zu erfassen, die einen Einblick geben, welche Strategien Unternehmen bei der Vergütungsgestaltung verfolgen, und wie zielführend diese Strategien bei der Gewinnung und Bindung von Talenten sind. Um diese Daten zu sammeln, haben Dr. Sydnee Caldwell und ich als Arbeitsmarktökonominnen der University of California gemeinsam mit dem ifo Institut eine wissenschaftliche Befragung entworfen.

Wie begründet sich der Fokus auf Deutschland?

Ingrid Hägele: Deutschland ist als wichtiger Wirtschaftsstandort mit einer besonders hohen Vielfalt an Unternehmen, selbst innerhalb des großen Blocks an mittelständischen Organisationen, als Fallbeispiel besonders interessant. Zudem haben wir in Deutschland juristische und regulatorische Rahmenbedingungen, deren Umfang groß und Komplexität hoch ist. Dementsprechend sind viele spezielle Entwicklungen in der Gestaltung von Vergütungsstrategien möglich. Wir erwarten über die Befragung vielfältige Rückmeldungen zu Vergütungspraktiken, die spannende Einblicke in die Bandbreite potentieller Unternehmensstrategien und Unternehmenskulturen bieten.

Daher auch die relativ langwierige Entwicklung des Fragebogens?

Ingrid Hägele: Wir wollen wichtige Einblicke in einen kaum erforschten Bereich der Arbeitsmarktökonomie erhalten. Für den Entwurf des Fragebogens haben wir daher Praxiseinblicke von über 100 HR- und Vergütungsverantwortlichen deutscher Unternehmen, darunter auch von hkp/// group ExpertInnen gesammelt. Damit kombiniert der Fragebogen wissenschaftliche Methoden mit konkreter Praxis. So sind unsere Ergebnisse nicht nur für Wissenschaftler von Interesse, sondern liefern auch wichtige Vergütungsbenchmarks für Unternehmen in Deutschland.

Frau Knab-Hägele, deckt der Fragebogen aus Ihrer Marktperspektive die relevanten Aspekte der Vergütungsgestaltung und deren Implikationen ab?

Petra Knab-Hägele: Aus unserer Sicht tut der Fragebogen das und wir versprechen uns in der Tat sehr spannende Einsichten in aktuelle Marktentwicklungen in großer Breite und mit wissenschaftlicher Fundierung. Nicht zuletzt in dieser Erwartung haben wir Ingrid Hägele auch als Referentin zum Deutschen Vergütungstag am 9. November nach Berlin eingeladen. Hier wird sie einen ersten Einblick in die Ergebnisse geben.

Könnten Sie bei den Fragebogeninhalten etwas genauer werden?

Petra Knab-Hägele: Der Fragebogen umfasst drei große Fragenkomplexe: erstens, die strategische Bedeutung von Vergütungsbenchmarks und zweitens, Transparenz als Schlüsselentscheidung in der Vergütungsgestaltung. Während im ersten Teil abgeklopft wird, wie informiert Unternehmen über die Vergütung von Wettbewerbern sind und welche strategische Bedeutung Marktvergleiche haben, geht es im zweiten Block um Strategien von Unternehmen in Hinblick auf Transparenz und interne Kommunikation von Vergütungsstrukturen, insbesondere, welche Vor- und Nachteile es dabei abzuwägen gilt.

Und im dritten Teil des Fragebogens?

Ingrid Hägele: Dieser dritte Teil steht im Fokus der flexiblen Vergütung als Wegweiser für die Zukunft. Hier geht es darum, wie flexibel Vergütung in Unternehmen mit Hauptsitz in Deutschland in puncto Vergütungsdesign sind und unter welchen Bedingungen eine flexible Vergütung besonders wichtig ist.

Frau Knab-Hägele, vermissen Sie relevante Inhalte?

Petra Knab-Hägele: Als Survey-Experten wissen wir selbst: Ein Fragebogen muss für TeilnehmerInnen im Alltag noch zu bewältigen sein. Da geht es nicht ohne Kompromisse beim Aufwand. Und Ziel ist es ja, möglichst flächendeckend Antworten zu erhalten. Es gibt daher sicherlich den einen oder anderen inhaltlichen Aspekt, dem man größere Bedeutung beimessen hätte können, dessen Fehlen aber die Tragfähigkeit der Ergebnisse nicht berührt.

Woran denken Sie konkret?

Petra Knab-Hägele: Nun, ich denke hier an aktienbasierte Vergütung und Mitarbeiterbeteiligung oder auch betriebliche Altersversorgung. Aber dies sind in der Tat Spezialbereiche mit hoher Komplexität und entsprechender Regulierung, die kaum als knappes Seitenthema abzuarbeiten sind und zu denen es im Übrigen auch schon fundierte Spezialanalysen gibt.

Wer kann an der Befragung in welcher Form teilnehmen?

Ingrid Hägele: Zur Online-Befragung eingeladen sind HR- und Vergütungsexpertinnen aus Unternehmen in Deutschland – ohne eine Beschränkung bei Branche oder Größe. Im Gegenteil, wir wollen möglichst viele Branchen und verschiedene Unternehmenstypen abdecken. Um den hohen Qualitätsstandard unserer Befragung zu garantieren, laden wir alle Interessenten ein, sich ab sofort über die Studien-Website des ifo Instituts zu registrieren. Unter https://www.ifo.de/hr-umfrage-registrierung erhalten Interessentinnen nach der Registrierung eine personalisierte Einladung für die 15-minütige Online-Befragung. In der aktuellen Befragungswelle kann noch bis zum 18. Oktober 2021 teilgenommen werden.

Wie profitieren TeilnehmerInnen von den Studienergebnissen?

Ingrid Hägele: Alle TeilnehmerInnen erhalten nach Abschluss der Befragung Zugang zu exklusiven Markteinsichten der Studie. In diesem Rahmen stellen wir detaillierte Ergebnisse zu identifizierten Best Practices zur Verfügung. Damit erhalten Unternehmen konkrete Informationen, wie ihre Vergütungsstrategien im Vergleich zum Markt abschneiden und wie Vergütungsgestaltung optimiert werden kann.

Frau Hägele, Frau Knab-Hägele, vielen Dank für das Gespräch!

 

Hintergrundinformation zum Forschungsteam

Ingrid Hägele und Dr. Sydnee Caldwell sind Arbeitsmarktökonominnen, die das Zusammenspiel von Unternehmen und Mitarbeitern auf dem Arbeitsmarkt erforschen. In ihrer bisherigen Forschung nutzen sie groß angelegte Befragungen in Kombination mit detaillierten Unternehmensdaten, mit besonderem Fokus auf den deutschen Arbeitsmarkt. Dr. Sydnee Caldwell ist Assistenzprofessorin an der University of California, Berkeley. Sie hält einen Doktortitel in Wirtschaftswissenschaften (MIT) und war Postdoktorandin bei Microsoft Research New England. Ingrid Hägele promoviert derzeit in Wirtschaftswissenschaften an der University of California, Berkeley und wird 2022 Assistenzprofessorin an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München.

* Photo by National Cancer Institute on Unsplash

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