Nachdem Anfang des Jahres der CEO des weltgrößten institutionellen Investors BlackRock den Scheinwerfer seiner Aktivitäten stärker denn je auf das Human Capital Management (HCM) gerichtet hat, stellt sich insbesondere für Investor Relations (IR) die Frage nach den damit verbundenen Herausforderungen und Veränderungen. hkp.com im Gespräch mit Kay Bommer, Geschäftsführer des DIRK – Deutscher Investor Relations Verband.

Herr Bommer, wie ist die Ankündigung von BlackRock CEO Larry Fink, bei Investmententscheidungen zukünftig stärker auf HCM-Themen zu schauen, in der IR-Szene aufgenommen worden?
Kay Bommer: Unterschiedlich. Die Mehrheit der IR-Verantwortlichen hat diesen Aspekt eher mit verhaltenem Interesse zur Kenntnis genommen. Die Reaktionen schließen heftiges Stöhnen, ob der neuen Sau, die da vielleicht durchs Dorf getrieben wird, und verständnislose Blicke über ein neues Kürzel ein. HCM ist noch kein gängiger Begriff in der Breite der IR-Community. Da braucht es mehr als den einen Larry Fink-Brief, vor allem Zeit und im Detail auch konkrete Aufklärung.

Erfahrungsgemäß wirkt Investoren-Druck aber rasch…
Kay Bommer:
In der Tat. Daher sollte sich keine IR-Verantwortliche und kein IR-Verantwortlicher falschen Hoffnungen hingeben. Vergleichbar mit Umweltthemen und anderen Aspekten aus dem ESG-Kosmos wird sich auch HCM nicht aussitzen lassen. Zukünftig werden sich IR-Abteilungen mit Nachfragen und Forderungen ihrer Investoren zu entsprechenden Sachverhalten konfrontiert sehen.

Wenn sich HCM in der IR-Community noch nicht als Begriff durchgesetzt hat, erläutern Sie doch bitte, was Sie darunter verstehen!
Kay Bommer:
Institutionelle Investoren wissen, dass nachhaltig agierende Unternehmen auf lange Sicht erfolgreicher sind. Dabei schauen sie aus Risikogesichtspunkten nun auch stärker auf personalspezifische Kennzahlen. HCM oder Human Capital Management schließt alle Aspekte des Personalmanagements ein, von der Nachfolgeplanung über Vergütung und Diversity bis hin zu Arbeitnehmerorganisation, Arbeitsschutz und -sicherheit und und und…

Die skizzierte Themenspanne macht deutlich, dass sich hier kein kleines Spielfeld eröffnet.
Kay Bommer:
Zudem gibt es auch vielfältige Schnittstellen zu anderen ESG-Bereichen zum Beispiel beim Thema Lieferkettenmanagement oder in puncto Governance.

Was konkret sollte IR angesichts der verstärkten Aufmerksamkeit auf HCM tun?
Kay Bommer:
Zunächst einmal: nicht wegducken, sondern aktiv gestalten! Letztlich ist das Thema auch ein Spiegel des sich stetig verändernden Investorendialogs. Wurden in den letzten Jahren verstärkt Aufsichtsratsvorsitzende und Nachhaltigkeits-Verantwortliche in diesen Prozess mit einbezogen, ist es jetzt mit der Personal-Funktion ein weiterer Player. Diese Prozesse sollte IR nicht nur im Blick haben, sondern auch aktiv steuern.

So werden aus Herausforderung Chancen…
Kay Bommer:
Zusammen mit der Personalabteilung kann IR das bislang arg zerfaserte HCM-Reporting in Geschäfts-, Nachhaltigkeits- oder Personalberichten neu aufstellen, der Hoheit der Juristen und Wirtschaftsprüfer entreißen, integrieren und so gestalten, dass die entsprechenden Darstellungen nicht nur regelkonform, sondern auch lesenswert sind – für Investoren, aber auch sonstige Stakeholder, nicht zuletzt die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Werden denn Aufsichtsratsvorsitzende in HCM-Fragen zukünftig direkt auf die Personalabteilung zugehen und dabei IR umgehen?
Kay Bommer:
Wenn IR in einer konkreten Frage, in einem konkreten Prozess keinen Mehrwert leisten kann, ist das denkbar. Aber es gilt weiterhin zu bedenken: Niemand versteht die Sprache der Investoren besser als IR! Verantwortliche im Unternehmen würden fahrlässig handeln, wenn sie die vorhandenen IR-Strukturen und -Kompetenzen nicht nutzten.

Aber IR muss sich dafür auch öffnen.
Kay Bommer: Ja, sicher. Hier können wir viel aus den Beziehungen zwischen IR- und Nachhaltigkeitsabteilungen lernen. Dort wird auch nicht immer dieselbe Sprache gesprochen. Es bedarf einer Offenheit und eines gegenseitigen Verständnisses, um zu zielführenden Ergebnissen zu kommen. In den letzten Jahren hat sich diesbezüglich sehr viel getan und die Bereitschaft unter Kolleginnen und Kollegen voneinander zu lernen, nimmt stetig zu. Hinzu kommt, dass IR-Verantwortliche von jeher ihre Informationen aus den unterschiedlichsten Bereichen zusammensuchen müssen. Insoweit bin ich sehr zuversichtlich, dass sich auch das Zusammenwirken von Personal- und IR-Abteilung gewinnbringend entwickeln wird.

Herr Bommer, vielen Dank für das Gespräch.

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