• Durchschnittl. Gesamtvergütung der Aufsichtsratsvorsitzenden im DAX sinkt 2020 um rund 4 % auf 416.000 Euro
  • Rückgang stützt sich vor allem auf individuelle Vergütungsverzichte

hkp/// group Analyse „Geschäftsberichtsauswertung Aufsichtsratsvergütung DAX 2020“

Frankfurt am Main, 05. Mai 2021. Eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung hkp/// group weist für die Aufsichtsratsvorsitzenden der führenden börsennotierten Unternehmen in Deutschland (DAX-Unternehmen) das erste Mal seit 2015 wieder rückläufige Vergütungen aus: So sind die durchschnittlichen Bezüge der Kontrolleure und strategischen Sparringspartner des Vorstands im Geschäftsjahr 2020 um 4,3 % auf rund 416.000 Euro gesunken. Mit 900.000 Euro besetzt der Aufsichtsratsvorsitzende von Volkswagen die Spitze der Vergütungsrangliste der ganzjährig im Amt tätigen DAX-Kontrolleure, gefolgt von dem Spitzenreiter in Vorjahren, dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutschen Bank mit rund 802.000 Euro. Am Ende der Rangreihe findet sich der Aufsichtsratsvorsitzende von Beiersdorf mit rund 202.000 Euro. Das Unternehmen ist mittlerweile nicht mehr Mitglied im DAX.

Die Aufsichtsratsvorsitzenden aus acht DAX-Unternehmen haben in 2020 auf einen Teil ihrer Bezüge verzichtet und so ein Zeichen im Zuge der Covid 19-Krise gesetzt. Sie haben dabei zumeist auf Sitzungsgelder und/oder einen Teil ihrer fixen Vergütungen verzichtet. Laut Studie sind es vor allem diese freiwilligen Verzichte, die zu dem aktuellen Vergütungsrückgang beigetragen haben, denn aufgrund der fast vollständig erfolgten Umstellung auf Festbezüge hängen die Vergütungen der Aufsichtsratsvorsitzenden mittlerweile nicht mehr von den Unternehmensergebnissen ab. Letztere sind im Pandemie-Jahr 2020 um fast 50 % eingebrochen (durchschnittlicher Konzernjahresüberschuss). Mit Fresenius und Fresenius Medical Care sehen lediglich noch zwei Unternehmen in 2020 letztmalig klassische erfolgsbezogene Langfristvergütungen für ihre Aufsichtsräte vor. Deutsche Bank und Linde vergüten ihre Aufsichtsräte auch in Form von virtuellen bzw. echten Aktien.

Regine Siepmann, hkp/// group Partnerin und Leiterin des Beratungsbereichs Board Services zeichnet auf Basis der aktuellen Analyse ein Gesamtbild mit großen Abständen zur Vorstandsvergütung: „Wir sehen nach wie vor einen sehr deutlichen Unterschied zwischen den Vergütungsniveaus von Vorständen und Aufsichtsräten. Diese werden sich angesichts der unterschiedlichen Vergütungssysteme mit einerseits fast reinen Fixvergütungen und andererseits ergebnisorientierten variablen Langfristvergütungen weiter zementieren.“
hkp/// group Partnerin und Co-Studienautorin, Nina Grochowitzki ergänzt: „Die Vergütungen für Aufsichtsräte als gewählte Vertreter der Aktionäre sind nur von eben diesen Aktionären zu ändern. Durch die europäische Aktionärsrechterichtlinie in Form von ARUG II haben sie nunmehr mindestens alle vier Jahre auf der Hauptversammlung dazu die Gelegenheit.“

Die Vergütungsrangreihe

Mit dem Durchschnittswert in Höhe von rund 416.000 Euro für die Vergütung eines Aufsichtsratsvorsitzenden in DAX-Unternehmen ist zum ersten Mal seit fünf Jahren ein Rückgang zu verzeichnen. Der bisherige Höchstwert für die durchschnittliche Vergütung eines DAX-Aufsichtsratsvorsitzenden beträgt rund 435.000 Euro, ermittelt für das Geschäftsjahr 2019.
Die Vergütungsrangreihe der ganzjährig im Amt tätigen DAX-Aufsichtsratsvorsitzenden wird 2020 wieder durch Volkswagen besetzt, gefolgt von der Deutschen Bank sowie Linde. Die Spreizung zwischen der höchsten und geringsten Vergütung eines DAX-Aufsichtsratsvorsitzenden beträgt im Betrachtungszeitraum rund das Viereinhalbfache.

 

Top-Vergütungen Aufsichtsratsvorsitzende DAX

Gesamtvergütung

Volkswagen

900.000 Euro

Deutsche Bank

802.000 Euro

Linde

679.000 Euro

Geringste Vergütungen Aufsichtsratsvorsitzende DAX

Gesamtvergütung

Delivery Hero

214.000 Euro

Infineon

210.000 Euro

Beiersdorf

202.000 Euro

Durchschnitt Gesamtvergütung

416.000 Euro

Abb.: Die höchsten und geringsten Vergütungen der ganzjährig tätigen Aufsichtsratsvorsitzenden im DAX für das Geschäftsjahr 2020 (Zusammensetzung zum 31.12.2020)

 

Aktien für den Aufsichtsrat

Die Vergütungen der Vorstandsvorsitzenden in DAX-Unternehmen belaufen sich in 2020 auf einen Durchschnitt von rund 8,5 Mio. Euro (DCGK-Zufluss inkl. bAV und Nebenleistungen). Damit liegt die Relation zwischen den durchschnittlichen Bezügen von Vorstandsvorsitzenden und Aufsichtsratsvorsitzenden bei einem Faktor von über 20. „Allerdings wird diese Spanne aktuell stark durch die Vorstandsvergütungen bei Delivery Hero und Linde als extreme Ausreißer mit Langfristvergütungen nach US- bzw. New Economy-Marktpraxis getrieben“, erläutert hkp/// group Partnerin Regine Siepmann. Sie verweist darauf, dass – anders als international – Aktien als Vergütungselement in der Aufsichtsratsvergütung in Deutschland nur über Umwege eine Rolle spielen, da das Aktiengesetz keine Möglichkeit vorsieht, Aktien an den Aufsichtsrat auszugeben. „Es ist aber ein deutscher Sonderweg, Aufsichtsräte als gewählte Vertreter der Aktionäre nicht auch in Aktien vergüten zu können“, so Siepmann.

Die Analyse verweist in diesem Kontext auf zumeist freiwillige Aktienkauf- und -haltevorschriften. Laut Studie haben sich die Aufsichtsräte von Unternehmen wie BASF, Bayer, Daimler und RWE verpflichtet, während ihrer Mandatsdauer Aktien ihres Unternehmens in signifikantem Umfang zu erwerben und zu halten. „Es gibt kaum eine bessere Möglichkeit, die Aufsichtsratstätigkeit rechtskonform und zugleich wirksam auf die Ziele und Performance eines Unternehmens auszurichten“, resümiert hkp/// group Partnerin Nina Grochowitzki. Über diesen Umweg würde letztlich doch noch eine erfolgsorientierte Komponente bei Aufsichtsräten wirken, wenngleich hier nicht direkt von Vergütung gesprochen werden könne.

Über die hkp/// group Analyse

Die hkp/// group Studie Geschäftsberichtsauswertung Aufsichtsratsvergütung DAX analysiert die Vergütung der Aufsichtsratsvorsitzenden in den aktuell 30 DAX-Unternehmen (Zusammensetzung Stand 31.12.2020). Sie stützt sich dabei auf die durch die Unternehmen im Rahmen ihrer Geschäftsberichte und Satzungen veröffentlichten Informationen zur Vergütung von Aufsichtsräten.

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