• Einblicke in die Engagements von Großunternehmen bei Start-ups und Jungunternehmen
  • Ergebnisse der hkp/// group Studie Pay for Pioneers 2020 – Organisation & Vergütung in Corporate Start-ups

Frankfurt am Main, 20. November 2020. Start-ups genießen mittlerweile eine sehr große öffentliche Aufmerksamkeit, insbesondere, wenn sie hohe Marktbewertungen aufweisen. Vielfach im Schatten dieser freien Start-ups betreiben gestandene bzw. Großunternehmen selbst eigene Gründungen oder haben sich an Jungunternehmen beteiligt. Die Unternehmensberatung hkp/// group hat die Landschaft der sogenannte Corporate Start-ups in Deutschland untersucht und in der jetzt vorgelegten Studie Pay for Pioneers 2020 insbesondere deren organisationale Anbindung und Vergütung untersucht und zentrale Aspekte für den Erfolg dieser Projekte identifiziert.

Etablierte Start-up-Organisationen – Flottenverband in rauer See

An der Studie haben 51 Großunternehmen teilgenommen. Während rund ein Fünftel der Studienteilnehmer bislang ein eigenes Start-up gegründet haben, betreiben knapp ein Viertel zwischen zwei und vier Start-ups, mehr als die Hälfte zwischen fünf und bis zu 20 entsprechende Projekte. Immerhin 4 % der Studienteilnehmer verfügen über Organisationen mit mehr als 20 Jungunternehmen.

Unter den Studienteilnehmern, von denen mehr als die Hälfte börsennotiert sind, sind Vertreter mit Start-ups in den Branchen Technologie, Automobilhersteller und Zulieferer, in IT und Internet sowie Transport und Logistik besonders stark vertreten – ein Bild, das nach Auffassung der Studienautoren die Bedeutung von Start-ups in Branchen mit traditionell hoher Innovationskraft unterstreicht. Gleichzeitig ist es auch ein Hinweis auf Industriezweige, die sich in tiefgreifenden Umbrüchen befinden.

Mit Blick auf die Organisationsformen zeigt sich, dass die Anbindung von Start-ups auf verschiedenen Wegen erfolgt: über spezielle Geschäftsbereiche, rechtlich eigenständige Tochteruntergesellschaften oder – vor allem in Fällen mit einer größeren Menge an Start-ups - auch über spezielle Inkubatoren. Es dominieren allerdings die eigenständigen Tochterunternehmen (85%), wobei etwa die Hälfte der Studienteilnehmer mehr als nur eine Organisationsform parallel nutzt.

„Die Studienteilnehmer repräsentieren einen Querschnitt der deutschen Wirtschaft. Ihre Herkunft und die Intensität der ermittelten Aktivitäten unterstreichen, dass Corporate Start-ups längst etablierte Marktpraxis und kein besonderes Phänomen bestimmter Branchen sind“, erklärt Studienleiterin und hkp/// group Senior Managerin Petra Knab-Hägele. „Wir sehen vielfach das Zielbild eines agilen Flottenverbands: Großunternehmen als schwerfällig gewordene Tanker umgeben sich mit kleineren Begleit- und Schnellbooten in Form von Start-ups, um über diese neue Themen bzw. Geschäftsfelder zu erschließen und letztlich von deren Agilität und dem Unternehmergeist zu profitieren.“

Zwischen Tarifbindung und Rückkehrgarantien - Der Blick auf die Mitarbeiter

Bei rund einem Drittel der Studienteilnehmer verfügen die Start-ups über mehr als 50 Mitarbeitende. Bei jeweils 14% liegt die Mitarbeiterzahl sogar über 100 bzw. 250, so dass tendenziell von eher reiferen Jungunternehmen gesprochen werden kann.

Bei diesen Größenordnungen und auch unter Berücksichtigung der organisatorischen Anbindung der Jungunternehmen liegt die Frage nach der Tarifbindung nicht so fern, wie vielleicht angenommen. Zwar ist die große Mehrheit der Mitarbeiter (77%) in der Welt der Corporate Start-ups nicht tarifgebunden, aber immerhin bei 8% der Studienteilnehmer liegt eine Tarifbindung vor. Bei 15% der Corporate Start-ups ist zumindest eine teilweise Bindung an Tarifrecht gegeben.

Einen ähnlichen Anachronismus vor dem Hintergrund der Zielsetzung von Corporate Start-ups stellen Rückkehrgarantien für Mitarbeitende dar, die aus dem Konzern in Jungunternehmen entsandt wurden. Derartige Zusagen bestehen bei den Studienteilnehmern für 33% Prozent der Start-up-Belegschaften.

Fokus Vergütung – In der Breite deutliche Unterschiede zu freien Start-ups

Vergütung in freien Start-ups eilt der Ruf voraus, wenig Sicherheit dafür aber viel Chance über die variable Vergütung bzw. Kapitalbeteiligung zu bieten. Dieses Bild wird durch die aktuelle Studie nur zum Teil bestätigt. So fällt die Grundvergütung in 59% der Corporate Start-ups gleich hoch aus wie im Mutterkonzern. In etwa der Hälfte der Start-ups ist die einjährige variable Vergütung (Jahresbonus) identisch. 7% der Corporate Start-ups garantieren ihren Mitarbeitern hier die Auszahlungen von Mindestbeträgen.

Viktoria Jahn, Studienautorin und hkp/// group Managerin, verweist auch auf die Tatsache, dass Bonusauszahlungen in fast allen Fällen nach oben begrenzt sind. „Zusammen mit den Realitäten bei der Langfristvergütung sowie der Risiko- und Unternehmensbeteiligung ergibt sich bei Corporate Start-ups im Vergleich zu freien Start-ups ein Chancen-Risiko-Profil, das durch mehr Sicherheit und weniger Risiko gekennzeichnet ist – mit den entsprechenden Konsequenzen bei der Gewinnung, Bindung und Motivation von erfolgskritischen Talenten.“

Sofern eine mehrjährige variable Vergütung gewährt wird, fällt diese in 90% der Fälle höher aus als in der Muttergesellschaft. Garantierte Mindestzahlungen sind hier allerdings nicht vorgesehen, 72% der Corporate Startups definieren Auszahlungsobergrenzen. Die Auszahlung der mehrjährigen variablen Vergütung erfolgt in 90% der Corporate Start-ups in bar, eine Bedienung in Aktien oder in Form von Eigenkapital ist nicht marktüblich. 38% der Corporate Start-ups gewähren ihren Mitarbeitern keine mehrjährige variable Vergütung.

Bei 75% der Fälle ist die Gewährung von Sonderboni bei Erreichung bestimmter Ziele fest etabliert. Diese können bei etwas mehr als einem Drittel der Corporate Start-ups immerhin 100% und mehr einer Jahresgesamtvergütung ausmachen. 40% beteiligen ihre Mitarbeiter am Unternehmenswert. Diese Beteiligung ist üblicherweise virtuell ausgestaltet.

Handlungsempfehlungen für Corporate Start-ups

Die hkp/// group Studie illustriert, ob und mit welchen Mitteln es gestandenen Unternehmen gelingt, über die Gründung bzw. Übernahme sowie das gezielte Management von eigenen Start-ups die Vorteile dieser jungen, dynamischen Organisationen in die Konzernwelt zu transferieren bzw. von diesen Aktivitäten zu profitieren. Aus Sicht der Studienautoren haben die Unternehmen dabei vielfach den richtigen Weg eingeschlagen, sind aber oft noch zu kompromissbereit.

„Das Beste aus beiden Welten zu verbinden, ist in diesem Fall nicht der richtige Weg. Corporate Start-ups sind dann erfolgreich, wenn der in Jungunternehmen typische Unternehmergeist samt der entsprechenden Freiheitsgrade auf den unterschiedlichen Ebenen gewahrt ist“, erklärt hkp/// group Vergütungsexpertin Petra Knab-Hägele. Aus Sicht der Studienautoren ist das Festhalten an tariflichen Regelungen, klassischen Vergütungspraktiken oder die Gewährung von Rückkehrgarantien verständlich, allerdings konterkarieren sie die mit dem Projekt verbundenen Ziele und erschweren deren Erreichung.

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