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Tollhaus Berlin - Politische Irrwege in der Managervergütung

Die große Koalition als auch weite Teile der Opposition sprechen aktuell über einen neuen Ansatz zur Begrenzung der steuerlichen Abzugsfähigkeit von Managervergütungen. Behauptet wird, dass über diesen Weg die Subventionierung von hohen Gehältern durch den gemeinen Steuerzahler beendet wird.

 

Fakt ist, dass Lohn- und Gehaltskosten für alle Beschäftigten betrieblicher Aufwand und Einkünfte hieraus durch die Empfänger zu versteuern sind - gleich ob Gering- oder Großverdiener, differenziert nach dem individuellen Steuersatz. Sollten Gehälter nicht als Betriebsausgabe berücksichtigt werden dürfen – ob nun in Gänze oder in Teilen -, würden diese aus bereits versteuertem Gewinn gezahlt. Der Nettozufluss wäre bei einem Steuerbürger dann doppelt versteuert.

 

Ein solches Vorgehen ist nicht durch das Grundgesetz gedeckt. Und die Sprechblasen so mancher Politiker lassen an der Kenntnis dieses Dokuments zweifeln. Die Politik wendet sich nur gegen eine Zielgruppe, die sich öffentlichkeitswirksam mit dem Vorwurf von Vergütungsexzessen und der Untergrabung gesellschaftlicher Gerechtigkeit an den Pranger stellen lässt: die Vorstände in börsennotierten Unternehmen.

 

Aber schauen wir auf die Realität: Aktuelle Analysen zeigen, dass die durchschnittliche Vergütung der Vorstandsvorsitzenden in DAX-Unternehmen seit 2006 bis heute um 1,9% pro Jahr gestiegen ist. Das ist fern jeder dramatisch beschworenen Aufwärtsspirale, bei einer gleichzeitigen Entwicklung der Arbeitnehmerlöhne in Höhe von 2,2% pro Jahr. Ja, es gab Vergütungen, die über der als magisch empfundenen 10-Millionen-Euro-Grenze liegen. Aber dies war in den letzten 10 Jahren im DAX genau sieben Mal und bei zwei Unternehmen der Fall. In der Breite ist die Vorstandsvergütung in Deutschland im Lot und man sollte nicht über wenige Einzelfälle die ganze Manager-Gruppe in Sippenhaft nehmen.

 

Auch hilft es nichts auf die Vorstände selbst zu schimpfen. Entscheidungen zur Vorstandsvergütung werden im Aufsichtsrat getroffen – und diese sind gerade in den großen börsennotierten Unternehmen in der Regel mitbestimmt. Das heißt jede Vergütungsentscheidung wird von Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat mitgetragen. Und in einigen Fällen, so nicht zuletzt bei VW, ist die Politik auf höchster Ebene direkt mit in diese Entscheidungen eingebunden. Wie kann man da mit dem Finger auf andere zeigen?

 

Darüber hinaus ist Vergütung ist ein betriebswirtschaftliches Thema, das man gern auch unter ethisch-moralischen Gesichtspunkten diskutieren kann. Aber wir leben in einer sozial-liberalen Marktwirtschaft, in der Vertragshoheit gilt. Wollen wir dieses hohe Gut wirklich aufs Spiel setzen? Bislang ist noch kein Unternehmen aufgrund der Vergütung von Vorständen in den Konkurs geschlittert.

 

Und noch eine Anmerkung zur Begrenzung der steuerlichen Abzugsfähigkeit von Vorstandsvergütung: Entsprechende Versuche sind in der Vergangenheit in den USA wie auch in Österreich gescheitert. Vorstandsbezüge wurden hier entlang dieser neuen Vorgaben optimiert. Gesunken, sind sie deswegen keinesfalls. Oder man schaue auf die Vergütung in Banken. Die hoch aufwändigen und komplexen regulatorischen Maßnahmen hier haben dazu geführt, dass kaum einer weniger Gesamtvergütung, aber alle mehr Festbezüge erhalten. Auch hier sollten sich Politiker vorab informieren.

 

Die Politik scheint, soziale Gerechtigkeit über niedrigere Managergehälter definieren zu wollen. Dies ist ein verständlicher Ansatz, weil er bequem für den Stimmenfang ist, erst recht in einem Wahljahr. Er ist leider absolut untauglich und auch typisch für die mangelnde Kenntnis, Analysebereitschaft und Folgenabschätzung deutscher Politik. Wenn der Einzelfall eines offenbar nicht sinnvollen Vergütungssystems bei einem Automobilhersteller auf die Gesamtwirtschaft übertragen wird, ist das schlicht jenseits jeglicher Fakten.

 

Populismus mag einen Teil der Wähler erreichen, dem Amtseid von Regierenden entspricht dieser nicht, und er sollte auch nicht Teil des Selbstverständnisses von gewählten Repräsentanten in unserer Demokratie sein.

 
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