Menu
Um diesen Flyer downloaden zu können, bitten wir Sie, uns ein paar Informationen zu Ihrer Person mitzuteilen. Nach dem Absenden dieses Formulars haben Sie Zugriff auf weitere Publikationen.

Name
Unternehmen
Position
E-Mail

ATX 2014: Vorstandsvergütung und Unternehmensperformance nicht im Einklang

Die hkp/// group Analyse „Geschäftsberichtsauswertung Vorstandsvergütung ATX 2014“ analysiert die Vorstandsvergütungen in den im Börsenindex ATX notierten Unternehmen in Österreich und stellt die Ergebnisse in den Kontext der internationalen Marktpraxis. hkp.com sprach mit den Studienautoren Michael H. Kramarsch und Dr. Björn Hinderlich über die wichtigsten Ergebnisse der Analyse und deren Implikationen.

 

Herr Kramarsch, Herr Dr. Hinderlich, was sind die zentralen Erkenntnisse Ihrer kürzlich vorgestellten Analyse zur Vorstandsvergütung in ATX-Unternehmen?

Dr. Björn Hinderlich: Mit Blick auf die reine Zahlenwelt ist es der Anstieg der Vergütungen. So sind laut unserer Analyse die Vergütungen der Vorstandsvorsitzenden der größten börsennotierten Unternehmen Österreichs in 2014 durchschnittlich um rund 4,7% auf 1,6 Mio. Euro gestiegen.

Michael H. Kramarsch: Dieser Anstieg an sich ist schon bemerkenswert. Er gewinnt aber noch an Bedeutung angesichts der Unternehmensperformance. So verzeichnen die ATX-Unternehmen für das Geschäftsjahr 2014 einen Rückgang des Net Income im Mittel in Höhe von knapp -42%.

 

Eine Diskrepanz in den Entwicklungen…

Dr. Björn Hinderlich: … die zudem noch dadurch verschärft wird, dass insbesondere die Festvergütungen um durchschnittlich 14% gestiegen sind.

 

Bereits für das Geschäftsjahr 2013 war ein Gewinnrückgang zu verzeichnen, allerdings bei gleichzeitig gesunkenen Vergütungen der ATX-Vorstandsvorsitzenden…

Michael H. Kramarsch: In 2013 hatten wir nur wenige Ausreißer gesehen, bei denen Vergütung und Performance nicht parallel liefen und daraus geschlossen, dass das Pay for Performance-Prinzip auch im ATX weitgehend etabliert ist. Aber auf Basis der aktuellen Datenlage müssen wir diese Schlussfolgerung korrigieren. Wenn schlechte Unternehmensergebnisse und damit geringere variable Bezüge durch Erhöhungen der Festvergütung kompensiert werden, ist der ATX noch ein gutes Stück von einem stimmigen Pay for Performance-Bild entfernt.

Dr. Björn Hinderlich: Fakt ist: Die Vergütungsschere öffnet sich in doppelter Hinsicht: Einerseits ist das Pay for Performance Prinzip ganz offensichtlich noch nicht konsequent in den Vergütungssystemen von ATX-Vorständen verankert. Andererseits entkoppelt sich die Vergütungsentwicklung der Vorstände von der der anderen Mitarbeiter im Unternehmen.

 

Das ist der Öffentlichkeit nur schwer zu vermitteln?

Michael H. Kramarsch: Wer in guten Jahren erfolgsbedingt höhere Vergütungen für sich reklamiert, der muss auch in schlechten Jahren damit leben, dass Vergütungen sinken. Wenn aber genau dann breitflächig Erhöhungen der Grundvergütung von Vorständen vorgenommen werden, ist das Aktionären und Öffentlichkeit nicht mehr vermittelbar!

Insgesamt sechs ATX-Vorstandsvorsitzende verzeichnen für 2014 eine Direktvergütung von jeweils über zwei Millionen Euro. Wo liegen die ATX-Vorstandsvorsitzenden mit ihrer Vergütung im internationalen Vergleich?

Dr. Björn Hinderlich: Hier sehen wir keine nennenswerten Veränderungen zu den Vorjahren. Im internationalen Vergleich ordnen sich die österreichischen Spitzenwerte deutlich unter den Durchschnittswerten für den europäischen Premium-Index STOXX, den schweizerischen SMI-Index und den deutschen DAX ein.

 

Das Verhältnis passt also?

Dr. Björn Hinderlich: Wir sehen im Großen und Ganzen ein stimmiges Verhältnis zur Größe, Branche und internationalen Ausrichtung der Unternehmen.

 

Als Vergütungsexperten analysieren Sie Vergütungsberichte weltweit. Wo stehen die ATX-Unternehmen in puncto Vergütungstransparenz und -ausweis?

Michael H. Kramarsch: Wie schon in 2013 weisen im Geschäftsjahr 2014 alle ATX-Unternehmen die Vorstandsvergütung individuell aus. Allerdings legt bislang nur knapp die Hälfte die variable Vergütung der Vorstände getrennt nach einjährigen und mehrjährigen Elementen offen und dann auch sehr verschieden. Vielfach werden unterschiedliche Zeiträume für die variable Vergütung ausgewiesen. Zudem werden werthaltige Vergütungsbestandteile wie Altersversorgung und Nebenleistungen gar nicht oder nur unzureichend ausgewiesen.

 

Das klingt nach einem eher kritischen Fazit…

Michael H. Kramarsch: In der Tat, die ATX-Unternehmen sind weit davon entfernt, ein Vorbild in puncto Vergütungsausweis zu sein.

 

Kein Hoffnungsträger weit und breit?

Dr. Björn Hinderlich: Laut unserer Studie erweist sich lediglich OMV als Musterschüler. Das Unternehmen verfügt über einen Vergütungsbericht, der den Anforderungen internationaler Investoren genügt.

Was müssen die anderen ATX-Unternehmen tun, wen konkret sehen Sie in der Verantwortung dort?

Michael H. Kramarsch: Es braucht Vergütungssysteme, die mit dem Unternehmenserfolg atmen und es braucht eine sinnvolle Vergütungstransparenz, die die benötigten Informationen übersichtlich, verständlich und vergleichbar bereithält. Dafür müssen sich insbesondere Aufsichtsräte in den Unternehmen stark machen – auch gegen interne Widerstände!

 

Aber nur auf die Unternehmen zu schimpfen, ist sicherlich zu kurz gesprungen?

Michael H. Kramarsch: Es geht nicht darum, auf die Unternehmen einzuschlagen. Es sind auch die österreichischen Regelungen zum Vergütungsausweis, die in der Kritik stehen. Österreich muss raus der Transparenz-Steinzeit in puncto Vorstandsvergütung.

Dr. Björn Hinderlich: Es fehlt grundsätzlich an allen Ecken und Enden – das schlägt früher oder später auf die Unternehmen zurück, spätestens wenn die europäische Aktionärsrechterichtlinie mit verpflichtendem Hauptversammlungsvotum, dem so genannten Say on Pay, kommt.

 

Brauchen wir mehr gesetzliche Regelungen?

Dr. Björn Hinderlich: Vergütungstransparenz braucht nicht pauschal mehr Gesetze, sondern vor allem klare Standards. Diese müssen nicht vom Gesetzgeber kommen, sondern sollten eher Gegenstand eines modernisierten Österreichischen Corporate Governance Kodex sein. In anderen Ländern hat dieses Vorgehen bereits sehr gut funktioniert.

Herr Kramarsch, Herr Dr. Hinderlich, vielen Dank für das Gespräch.

 
  • Empfehlen Sie diese Seite weiter: